Servus und danke, dass du dich für meine Geschichte interessierst. Setz dich ruhig kurz hin, das wird nämlich etwas länger – ich hab schließlich auch fast 40 Jahre gebraucht, um an diesen Punkt zu kommen, da darf die Vorstellung ruhig ein paar Minuten dauern.

Ich bin der Thomas, 56 Jahre alt, aus Frankfurt am Main – einer Stadt, die niemals wirklich schläft, was sich ganz gut trifft, wenn man beruflich sowieso nie wusste, ob gerade Tag oder Nacht ist. Dazu aber gleich mehr.

Fangen wir mit dem Persönlichen an, weil das gehört zu einer ehrlichen Geschichte einfach dazu: Nach fast 30 Jahren Ehe haben meine Frau und ich uns getrennt. Kein Drama, keine Schlagzeile, einfach zwei Menschen, die sich über die Jahre auseinanderentwickelt haben, wie es eben passiert. Wir haben zusammen drei Kinder großgezogen, die inzwischen alle erwachsen sind und ihr eigenes Leben leben – was für mich auch bedeutet, dass ich nicht mehr der Mittelpunkt bin, um den sich der Alltag dreht. Ehrlich gesagt ist genau das einer der Gründe, warum ich mir überhaupt erlaubt habe, so groß zu denken, wie ich es gerade tue.

Und dann ist da noch der berufliche Teil meines Lebens, der so langsam seinem Ende entgegengeht: fast 40 Jahre bei der Bundespolizei. Vier Jahrzehnte Schichtdienst – Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht, und alles wieder von vorne, während der Rest der Welt einen geregelten Feierabend hatte. Wer jemals über Jahrzehnte im Schichtrhythmus gelebt hat, weiß: Das ist kein Bürojob mit Aktenordnern, das ist ein eigener Lebensstil, der einem ziemlich viel abverlangt. Es war ein sicherer, solider Weg – aber irgendwann merkt man, dass „sicher“ und „erfüllend“ nicht zwangsläufig dasselbe Wort sind, vor allem wenn die innere Uhr seit 40 Jahren nicht mehr weiß, ob gerade Tag oder Nacht ist. Die gute Nachricht: Ich darf in absehbarer Zeit in die wohlverdiente Frühpension gehen. Die noch bessere Nachricht: Ich habe mir schon vorgenommen, was ich damit anfange.

Und hier kommt der Teil, bei dem die meisten Leute in meinem Bekanntenkreis kurz die Augenbraue heben: Sobald die Pension da ist, wandere ich nach Kambodscha aus.

Ich weiß, was du jetzt vielleicht denkst. Midlife-Crisis, oder? Kann ich dir nicht mal ganz übel nehmen, die Geschichte klingt erstmal genau danach. Aber tatsächlich ist da mehr dran als eine spontane Schnapsidee auf der Terrasse. Vor einiger Zeit war ich beruflich für ein Jahr in Vietnam. Ein ganzes Jahr, mitten in Südostasien, mit allem, was dazugehört – Hitze, Chaos, Straßenküchen, Lebensfreude, Gelassenheit, und diese ganz eigene Art, wie dort die Zeit tickt. Und das hat mich, mit Verlaub, komplett geflasht. Nicht im Sinne von „oh, schöner Urlaub“, sondern im Sinne von „das ist es, so will ich leben“. Die Entscheidung auszuwandern hat sich für mich danach eigentlich gar nicht mehr wie eine große Entscheidung angefühlt. Das Klima, die Lebensweise, die Menschen – alles zusammen hat einfach Lust auf mehr gemacht. Und wenn man mit Anfang 56 merkt, dass man noch Lust auf mehr hat, sollte man diese Lust ernst nehmen, finde ich.

Warum ausgerechnet Kambodscha und nicht gleich wieder Vietnam? Ganz pragmatisch: Kambodscha hat unkomplizierte Regelungen für Langzeitvisa, und geografisch liegt es quasi mittendrin – Thailand auf der einen, Vietnam auf der anderen Seite, dazu Laos gleich nebenan. Kambodscha wird also meine Basis, mein fester Ankerpunkt. Von dort aus will ich auch immer wieder für Wochen durch den Rest von Südostasien reisen. Kambodscha ist also weniger Endstation, mehr Homebase mit offener Tür.

Diesen Blog gibt es also nicht, weil ich der Welt unbedingt meine Reisefotos zeigen möchte. Er ist mein Logbuch. Hier halte ich meine Geschichte fest – von hier, aus Deutschland, bis zu dem Tag, an dem ich tatsächlich in Kambodscha ankomme, und natürlich auch danach, wenn aus der Planung endlich echtes Leben in Südostasien wird. Ich will festhalten, wie sich so ein Neuanfang anfühlt, mit allem, was dazugehört – auch mit den Momenten, in denen es mal nicht nach Hochglanz-Auswanderer-Instagram-Post aussieht.

Nebenbei plane ich auch noch einen YouTube-Kanal. Nicht, weil ich reich und berühmt werden will – falls du auf einen cleveren Marketing-Plan gehofft hast, muss ich dich enttäuschen. Ich mache das einfach, weil mir das Filmen und Erzählen Spaß macht und ich mich gerne beschäftigt weiß. Ein Hobby für die Übergangszeit sozusagen, das mit etwas Glück zum Begleiter für den Rest der Reise wird.

Bis es tatsächlich losgeht, wird wohl noch rund ein Jahr vergehen. Und bevor du jetzt denkst, ich sitze bis dahin einfach nur wartend auf meinem Sofa – falsch gedacht. Die ersten Schritte laufen längst. Meine über Jahre zusammengetragene Videospielesammlung – ja, auch mit 56 hat man sowas noch, und nein, ich schäme mich nicht dafür – wird gerade aufgelöst. Mein Hausstand wird radikal auf das Minimum reduziert, alles, was ich nicht wirklich brauche, darf gehen. Und weil ich niemand bin, der einfach spontan den Koffer packt und losprescht, führe ich fein säuberlich Listen, was bei einer Abmeldung aus Deutschland alles geregelt werden muss – von Behördenkram bis zu den kleinen Dingen, an die man erst denkt, wenn es zu spät ist.

Kurz gesagt: Bei mir soll später in Asien möglichst nichts schiefgehen, weil ich es hier in Deutschland versemmelt habe. Alles wird vorher durchdacht, organisiert, abgehakt – damit ich mir drüben den Kopf über schönere Dinge zerbrechen kann, statt über vergessene Ummeldungen.

Wenn du also Lust hast, einen Menschen zu begleiten, der nach fast vier Jahrzehnten im Schichtdienst beschlossen hat, sein Leben nochmal ordentlich umzukrempeln – mit Plan, mit Humor und mit einer gehörigen Portion Vorfreude – dann bist du hier goldrichtig. Bleib dran, es wird eine ehrliche Geschichte. Meine.

Bis bald,
Thomas