Erschöpfter Polizist sitzt in einer Polizeiwache und blickt auf einen tropischen Sonnenaufgang

Fast 40 Jahre Schichtdienst – und jetzt beginnt mein neues Leben

Manche fangen ihre Lebensgeschichte mitten drin an, weil der Anfang angeblich zu langweilig ist. Ich mach das jetzt trotzdem von vorne. Ordentlich, der Reihe nach, so wie ich das eben mein Leben lang gelernt habe. Also gut, los geht’s.

Fast 40 Jahre Schichtdienst

Ich bin seit fast 40 Jahren bei der Bundespolizei, die meiste Zeit davon im Schichtdienst. Wer das nie selbst gemacht hat, kann sich kaum vorstellen, was das mit einem macht. Das ist nicht einfach nur Arbeit, das ist ein komplett anderer Takt als der Rest der Welt ihn hat. Während andere Feierabend machen, fange ich an. Während andere am Wochenende grillen, schlafe ich, weil ich nachts wieder ran muss. Weihnachten mit der Familie? Oft genug war ich im Dienst. Und so weiter.
Man gewöhnt sich dran, klar, irgendwie muss man ja. Aber ehrlich gesagt gewöhnt man sich nur an der Oberfläche dran. Darunter sammelt sich über die Jahrzehnte einfach eine Erschöpfung und Müdigkeit an, die man nicht mit ein paar Nächten gutem Schlaf wieder loswird – die kommt davon, dass der eigene Körper seit 40 Jahren nie wusste, wann eigentlich Tag und wann Nacht ist.

Ein großer Umbruch im Privatleben

Leerer Esstisch mit Umzugskartons und warmem Abendlicht als Symbol für einen privaten NeuanfangParallel dazu lief natürlich auch mein Privatleben. 30 Jahre Ehe, drei Kinder, von außen ein ziemlich normales Familienleben. Und dann, nach fast 30 Jahren, haben meine Frau und ich uns getrennt. Ich will hier keine Details ausbreiten, die eh niemanden was angehen. Aber ich erwähne es, weil es zu meiner Geschichte dazugehört und ich hier ehrlich bleiben will – und weil diese Trennung mit ein Grund war, warum ich mir überhaupt erlaubt habe, mein Leben komplett neu zu denken. Unsere Kinder sind erwachsen, haben ihr eigenes Leben. Plötzlich war ich nicht mehr der Mittelpunkt, um den sich der Familienalltag dreht. War am Anfang schon komisch. Mittlerweile ist genau das der Grund, warum ich überhaupt so frei denken kann wie gerade.

Vietnam als Wendepunkt

Der eigentliche Wendepunkt war aber nicht die Trennung. Der kam durch eine dienstliche Sache: ein ganzes Jahr Vietnam, hauptsächlich Hanoi. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Wochen dort – dieses Gefühl, mitten in einer Stadt zu stehen, die nie wirklich zur Ruhe kommt. Hitze, Chaos auf den Straßen, an jeder Ecke eine Garküche, und diese Gelassenheit der Leute gegenüber Sachen, über die wir in Deutschland ewig diskutieren würden.

Klar bin ich in der Zeit auch mal rumgekommen, Thailand, Kambodscha, ein paar andere Ecken Südostasiens, wenn mal ein paar freie Tage drin waren. Aber das war kein Urlaubsjahr. Gearbeitet wurde vor Ort ganz normal, nur eben mit einer völlig anderen Kulisse drumherum. Und genau das hat es für mich so aufschlussreich gemacht: Ich hab das Land nicht als Tourist erlebt, sondern im ganz normalen Alltag.

Belebte Straße in Hanoi mit Mopeds, Garküchen und warmem AbendlichtFür mich war das eine Art Testlauf. Kann ich so leben, so weit weg von allem, was ich kannte? Die Antwort kam schneller als gedacht: ja. Aber ein Ja mit Sternchen. Hanoi hat mir zwar die Augen geöffnet für dieses andere Lebensgefühl in Südostasien, aber das pure Chaos dieser Stadt, der Lärm, dieses ständige Grundrauschen – das wollte ich nicht für den Rest meines Lebens. Was hängen geblieben ist, war eher „ich will in dieser Region leben, nur ruhiger“. Kein unwichtiger Unterschied, dazu gleich mehr.

Zurück in Deutschland war irgendwas anders. Nicht dramatisch, kein Schalter, der plötzlich umgelegt wird. Eher so ein Gedanke, der sich einfach nicht verabschieden wollte. So hartnäckig, dass ich seitdem noch zwei weitere Male nach Vietnam gereist bin – das Land lässt mich einfach nicht los, was soll ich machen.
Ich hab angefangen, mir ernsthaft Gedanken zu machen, was ich eigentlich mit der Zeit nach der Bundespolizei anfangen will. Und je länger ich drüber nachgedacht habe, desto klarer wurde: einfach nur in Pension gehen und in Deutschland hocken bleiben, weil man das halt so macht – das ist nichts für mich. Ich will raus.

Warum ich nach Kambodscha möchte

Ruhige tropische Flusslandschaft in Kambodscha mit Holzboot, Palmen und SonnenuntergangDie Wahl fiel dann auf Kambodscha, nicht auf Vietnam, wo eigentlich alles angefangen hat. Klingt erstmal paradox, hat aber einen ziemlich praktischen Grund. Kambodscha hat eines der unkompliziertesten Langzeitvisa-Systeme der ganzen Region, und liegt geografisch quasi mittendrin: Thailand auf der einen Seite, Vietnam auf der anderen, Laos gleich nebenan. Ich will mich da ja nicht einfach eingraben und nie wieder rauskommen. Kambodscha soll meine Basis werden, mein fester Ankerpunkt, von dem aus ich immer wieder für Wochen durch den Rest von Südostasien ziehen kann. Eher Homebase mit offener Tür als Endstation.
Eine genaue Übersicht über die verschiedenen Visabestimmungen der Länder in Südostasien findest du hier.

Der Plan für 2027

Zum Timing: Ursprünglich war der Plan, ganz regulär in etwa fünf Jahren in Pension zu gehen, alles schön nach Plan. Inzwischen hat sich das verschoben. Aus gesundheitlichen Gründen ist es gut möglich, dass ich schon 2027 in Frühpension gehe, also deutlich früher als ich selbst je geplant hatte. Will das gar nicht groß dramatisieren, ist einfach eine Entwicklung, mit der ich mich arrangiere. Und ehrlich gesagt sehe ich das weniger als Schicksalsschlag, sondern eher als kleinen Schubs, jetzt wirklich loszulegen statt immer nur weiter zu planen.
Ob’s jetzt 2027 wird oder doch noch ein bisschen länger dauert, ändert am eigentlichen Plan nichts. Die Auswanderung nach Kambodscha steht so oder so. Höchstens das Timing verschiebt sich ein wenig, die Richtung bleibt gleich.

Die ersten Vorbereitungen laufen

Schreibtisch mit Checkliste, Laptop, Landkarte von Südostasien und gepacktem UmzugskartonUnd so stehe ich jetzt also da, wo ich stehe: Fast 40 Jahre Schichtdienst liegen bald hinter mir. Ein 30 Jahre langes Kapitel meines Privatlebens ist abgeschlossen. Die Kinder sind erwachsen und ziehen ihre eigenen Wege. Und vor mir liegt ein Neuanfang, den ich mir mit Mitte, fast Ende 50 selbst ausgesucht habe, statt ihn einfach über mich ergehen zu lassen.

Die ersten praktischen Schritte laufen schon. Meine über Jahre zusammengetragene Videospielesammlung wird aufgelöst, ja, mit 56 hat man sowas offenbar immer noch, und nein, ich schäme mich nicht dafür. Mein Hausstand wird ordentlich zusammengestrichen. Ich führe Listen, was bei einer Abmeldung aus Deutschland alles geregelt werden muss, damit mir später in Kambodscha nichts auf die Füße fällt, das ich hier hätte klären können. Ich kenne zuhauf Geschichten von Rentnern in Südostasien, die ohne echte Vorbereitung einfach auswandern, und die Probleme, die sie dann dort haben, sei es bürokratischer oder finanzieller Art. Das soll mir nicht passieren.

Auch YouTube gehört zum Plan

DJI Pocket 4, DJI Mic 3 und GoPro HERO 11 auf einem Holztisch mit SüdostasienkarteNebenbei hab ich mich auch schon ausgestattet: eine DJI Pocket 4, ein DJI Mic 3 und eine GoPro Hero 11 stehen bereit, und ich bin gerade dabei, mir die Bedienung sauber anzueignen, genau wie den Umgang mit Final Cut Pro zum Schneiden. Den Weg will ich nämlich auch auf YouTube festhalten. Anders als viele andere Rentner, die so einen Kanal als Einkommensquelle sehen, ist das für mich ein reines Hobby. Meine Pension und mein Erspartes machen es mir da natürlich sehr leicht. Ich mach das, weil es mir Spaß macht und weil ich mir dadurch auch dort einen geregelten Tagesablauf aufbauen will. Viele der hier angerissenen Punkte werde ich in Zukunft in eigenen Beiträgen noch näher beleuchten.

Meine Geschichte beginnt jetzt

Dieser Blog hier ist also kein Rückblick auf etwas Abgeschlossenes, sondern eher der Anfang von etwas, das gerade erst losgeht. Wie viele Leute das hier lesen, weiß ich ehrlich gesagt nicht, wahrscheinlich noch nicht besonders viele, und das ist völlig in Ordnung so. Ich schreib trotzdem, als würde mir jemand zuhören. Vielleicht liest du das hier in ein paar Monaten zum ersten Mal, vielleicht bist du von Anfang an dabei gewesen. So oder so: willkommen bei meiner Geschichte. Sie geht gerade erst richtig los.

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